Wasser- und Stromtankstelle in Maroua-Meri

Die Versorgung mit sauberen Trinkwasser stellt in Maroua-Meri ein großes Problem dar. Um diese Situation zu verbessern will Lelewal Woila e.V. ein Projekt starten, dass sich mit der Errichtung eines Wasserkiosk und dazugehörigem Brunnen beschäftigt. Zusätzlich können Synergien mit einer Stromtankstelle geschaffen werden, welche die Überschüsse der PV-Anlage verwertet, die von der Solarpumpe nicht verbraucht werden können. Der Brunnen würde am selben Ort entstehen, wie auch die Schule für erneuerbare Energien – ITEM „Institut Technique Environnemental et pour la Promotion des Energies Renouvelables à Maroua". Das Projektoberziel ist es, einem Teil der Bevölkerung von Maroua- Meri die Versorgung mit sauberen Trinkwasser zu ermöglichen. Langfristig soll ein Bewusstsein für Zusammenhänge von gesunder Trinkwasserversorgung und nachhaltiger Landnutzung geschaffen werden.

Da die Bevölkerungsdichte in Maroua immer höher wird und sich somit die sanitären Bedingungen immer weiter verschlechtern, hat die Stadt begonnen Teile der Bevölkerung an den Stadtrand umzusiedeln. Maroua-Meri gehört zu einem dieser Stadtausbaugebiete in denen sich aufgrund der höheren Flexibilität vornehmlich junge Familien ansiedeln werden. Es gibt zwar einen öffentlichen Brunnen und gegen ein Entgeld Zugang zur städtischen Wasserversorgung, jedoch sind beide Wasserquellen bakteriell verseucht und stellen damit ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Die Bevölkerung muss lange Wege zurücklegen, um an das Wasser aus den verunreinigten Quellen zu gelangen. Um dieses anschließend abzukochen, wird ein großer Teil des Einkommens für Feuerholz ausgeben. Feuerholz ist jedoch eine sehr teuere Energiequelle. Häufig wird bis zu einem Drittel des Familieneinkommens dafür aufgewendet. Um die Kosten zu vermeiden bzw. zu senken versorgen sich die Dorfbewohner in der fußläufigen Umgebung mit Brennmaterial. Dabei wird der Bestand an Vegetation kontinuierlich dezimiert und die Entstehung neuer unterbunden. Dies führt zu einer sukzessiven Desertifikation.
Aus diesen Gründen soll ein vollkommen autark mit Photovoltaik betriebener Brunnen mit einer solarthermischer Entkeimungsanlage gebaut werden. Das entkeimte Wasser kann direkt getrunken und muss nicht noch einmal abgekocht werden. Somit können der Bedarf an Feuerholz gesenkt und die Haushaltskassen der Familien entlastet werden. Für das Wasser soll ein geringer Unkostenbeitrag verlangt werden, der die Kosten für das ansonsten nötige Feuerholz deutlich unterschreitet. Dadurch steht der Bevölkerung kostengünstiges, unbelastetes Trinkwasser zur Verfügung durch dessen Nutzung die Cholerainfektionen eingedämmt werden.

Das solarthermisch entkeimte Trinkwasser kann gegen eine Gebühr von den Dorfbewohnern in Leih-Kanistern abgezapft werden. Die Kanister werden vom Wasserwart gegen Pfand ausgeliehen und bei der Rückgabe gereinigt, um die Gefahr von Infektionen zu vermeiden. Um zu vermeiden, dass die Wasserabnehmer das bereits entkeimte Wasser wie gewohnt erneut auf dem heimischen Herd abkochen, ist Aufklärungsarbeit vonnöten. Aus diesem Grunde soll das Gebäude, in dem der Wasserwart, dessen Familie und die Anlagentechnik untergebracht sind, auch als Seminarraum genutzt werden. Hier wird die umliegende Bevölkerung über die Technologie der solarthermischen Entkeimung aufgeklärt. Da die Besiedlung des Gebietes in Meri derzeit ausgeweitet wird, um die Bevölkerungsdichte im innerstädtischen Bereich Marouas zu verringern, müssen diese Veranstaltungen in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden, um einen möglichst großen Teil der Bevölkerung zu erreichen.
In den Seminaren soll über das Problem der Desertifikation im Zusammenhang mit dem Thema des sauberen Trinkwassers gesprochen werden. Dazu gehört u.a. die Aufklärung über den Umgang mit verseuchten Wasserbehältern. Das weiter oben bereits erwähnte Gebäude dient drei zentralen Zwecken: Erstens wird der Wasserwart und dessen Familie in den Räumlichkeiten einquartiert. Zweitens werden alle Anlagenkomponenten auf oder im Gebäude an- bzw. untergebracht. Und drittens dient es als Unterrichtsraum für die beschriebenen Seminare. Um den Bau des Gebäudes zu realisieren werden in der Umgebung von Maroua Aktionen gestartet.
Die ersten Planungen gehen von den folgenden Annahmen aus. Die PV-Anlage könnte eine Leistung von ca.1,5 kWp haben. Die Pumpe hat eine maximale Aufnahmeleistung von 1200W. Der überschüssige Strom kann in einem Batteriespeicher mit ca. 750Ah zwischengespeichert werden.
Die Photovoltaikanlage versorgt zum einen die Pumpe für die Wasserförderung und die Haustechnik. Zum anderen kann sie gegen einen kleinen Unkostenbeitrag auch zum Laden von Mobiltelefonen und anderen Akkus genutzt werden. Diese sekundäre Nutzung als Solartankstelle bedeutet zunächst eine etwas höhere Investition im Bau, wirkt sich aber im Betrieb positiv aus. Die Arbeitskraft, die die Solartankstelle betreut, soll in Zusammenarbeit mit unserer lokalen Partnerorganisation ausgebildet werden, so dass sie Wartungsarbeiten und gegebenenfalls Reparaturen selbstständig ausführen kann.
Mit der geplanten Wasserfördermengen lassen sich bis zwischen 50 und 100 Familien mit sauberen Trinkwasser versorgen. Mit den Sensibilisierungsseminaren lässt sich jedoch ein großer Teil Meris erreichen, wobei sich die genaue Zahl nicht abschätzen lässt. Voraussichtlich werden sich ein- bis zweitausend Menschen auf der bisher zur Verfügung gestellten Flächen im näheren Einzugsbereich ansiedeln. Die genaue Lebenssituation und der Bildungsstand lassen sich ebenfalls schwer ermitteln. Es werden aller Wahrscheinlichkeit nach Familien aus einfachen Verhältnissen sein. Da die meisten Familien Selbstversorger sind und somit auch die Kinder für die Bestellung der Felder und den Verkauf der Lebensmittel am Straßenrand oder auf dem Markt heran gezogen werden. Daher bleibt wenig bis keine Zeit für Schulbesuche. Hinzu kommt, dass es in Kamerun üblich ist Schulgelder zu bezahlen, was sich von vornherein nur wenige Familien leisten können. Mit der Verbesserung der Trinkwassersituation kann den Familien wertvolle Zeit für Bildungsaufgaben bereitgestellt werden.
Awareness Raising - Desertification
Um ein tieferes Bewusstsein für das Problem der Desertifikation und die nachhaltige Gewinnung von Trinkwasser zu erzeugen, soll dieses Projekt Vorbildcharakter haben. Unser Ziel ist es, auch Dörfer in der weiteren Umgebung für diese Idee zu begeistern. Mittel- bis langfristig wollen wir erreichen, dass die Dorfbewohner den Bau einer solchen Brunnenanlage selbst finanzieren.
Durch die verringerten Kosten für sauberes Trinkwasser kann die Armut der anliegenden Bevölkerung etwas eingedämmt werden. Durch das saubere Trinkwasser verringert sich die Gefahr der Infektion mit gefährlichen Krankheiten, wodurch die Gesundheit von Müttern und Kindern gefördert wird. Die Erzeugung des sauberen Trinkwassers findet zu 100% regenerativ und nachhaltig statt, so dass die Umwelt geschont und die Ausweitung der Desertifikation eingeschränkt wird. Außerdem wird durch einen regen Austausch mit unseren Partnern die globale Partnerschaft vorangetrieben.
Die beteiligten Kooperationspartner sind:
Unser Verein Lelewal Woila e.V., unser Partner GIC Agrar Sahel Umwelt und das Bürgermeisteramt Meri.
Die technischen Aspekte des Projekts befinden sich momentan in der Entwicklung. Teil der Ausstattung werden eine PV-Anlage zur Erzeugung von Strom, eine solarthermische Kollektoranlage zur Entkeimung von Trinkwasser und ein Batteriespeicher, der den Betrieb einer Stromtankstelle ermöglicht.